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Wie Tal Silberstein zum jüdischen Sündenbock wurde

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Wie Tal Silberstein zum jüdischen Sündenbock wurde

Isabel Frey Isabel Frey
in Politik, Rechtsextremismus
Lesezeit:4 Minuten
28. Mai 2019
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Ein Name wird wiederholt im Zuge der Ibiza-Affäre genannt: Tal Silberstein. Der ehemalige Wahlkampf-Berater hatte wegen Dirty Campaining für Empörung gesorgt. Wenig später wurde er in Israel wegen Geldwäsche und Bestechung verhaftet.  FPÖ-Politiker und Sebastian Kurz äußerten mehrmals den Verdacht, Silberstein könnte hinter dem Ibiza-Video stecken. Beweise gibt es keine. Doch der „Code Silberstein“ reicht aus, um Schuld zuzuweisen und aus dem FPÖ-Skandal einen SPÖ-Skandal zu basteln. Die antisemtischen Untertöne nimmt man gern in Kauf.

Kaum war das Ibiza-Video aufgetaucht, kursierten schon antisemitische Verschwörungstheorien in FPÖ-Kreisen: Hinter dem Video kann nur „Tal Silberstein oder der Mossad“ stecken, hieß es. Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache griff diese Erzählung in seiner Rücktrittsrede auf. Er sprach von einem „gezielten politischen Attentat“ in „Silberstein-Manier„. Seitdem kursiert das Gerücht, der ehemalige SPÖ-Berater sei der geheime Drahtzieher hinter der Ibiza-Affäre.

Auch Sebastian Kurz verbreitet dieses Gerücht. In der ersten Stellungnahme zur Ibiza-Affäre beschrieb Kurz das Video als „Methoden die an Silberstein erinnern“. Im Interview mit der Bild sagte er, er halte es für „möglich“, dass Silberstein hinter den Videos stecke. Als er vom Standard damit konfrontiert wurde, dass es für diesen Verdacht keine Beweise gibt, bezeichnet er das als „Täter-Opfer Umkehr“.

Aus FPÖ-Skandal will man einen SPÖ-Skandal fabulieren

Hinter dem Code „Silberstein“ steckt ein rhetorischer Trick: Die eigene Schuld an der Affäre bestreiten und sie indirekt der SPÖ in die Schuhe zu schieben. Doch mit dem Silberstein-Code spielt Kurz auch auf antisemitische Stereotypen an, wie schon der österreichisch-israelische Autor Doron Rabinovici analysiert hat. Die Politikwissenschafterin Natascha Strobl fasst für Kontrast.at zusammen:

„Tal Silberstein ist eine antisemitische Chiffre, die Kurz benutzt, um die Sozialdemokratie anzugreifen.“ (Natascha Strobl)

Warum wird Silberstein als jüdischer Sündenbock in der Ibiza-Affäre instrumentalisiert?

Tal Silberstein: ein jüdischer Name

Silberstein. Rothschild. Soros. Das alles sind Namen, die jüdisch klingen. Sie lösen unbewusst andere Assoziationen aus als nicht-jüdische Namen wie „Müller“ oder „Pichler“. In einem Land wie Österreich, in dem Antisemitismus geschichtlich tief verankert ist, ruft die Erwähnung eines jüdischen Namens wie „Silberstein“ alte antisemitische Stereotypen hervor.

Der Name an sich klingt schon verdächtig, da braucht es keine Beweise.

Das funktioniert ähnlich wie beim jüdisch-ungarischen Philantropen George Soros. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat Soros zu einem nationalen Feindbild gemacht. Auch billige Verschwörungstheorien über „die Rothschilds“ als Drahtzieher in der Weltwirtschaft spielen mit solchen Assoziationen.

Dass das „Spiel mit dem jüdischen Namen“ ein gefährliches ist, weiß auch Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz. Unter anderem weil er schon einmal darauf aufmerksam gemacht wurde. Als er die Wahl 2017 als „Volksabstimmung darüber, ob wir die Silbersteins in Österreich wollen“ bezeichnete, erntete er auch Kritik aus der jüdischen Gemeinde über „antisemitische Tendenzen“. Kurz hatte daraufhin behauptet, er habe es nicht so gemeint. Doch ist das Gedächtnis des Kanzlers wirklich so kurz wie sein Name?

Silberstein kommt ‚aus dem Ausland‘

Antisemitische Verschwörungstheorien sind einfach gestrickt: Juden sind wohlhabende, gut vernetzte, international agierende Drahtzieher. Wichtig dabei ist das internationale Element: Dadurch, dass Juden die meiste Zeit aus den nationalen Gemeinschaften europäischer Staaten ausgeschlossen waren, wurden sie als „ausländische Inländer“ oder „interne Fremde“ diskriminiert. Auch heute noch wird Juden manchmal vorgeworfen, sie seien loyaler zueinander oder zu Israel als zu den Ländern in denen sie StaatsbürgerInnen sind. Weltverschwörungstheorien sind daher sowohl antisemitisch als auch ethno-nationalistisch. Sie bestärken die nationale Einheit, die von ausländischen Einflüssen geschützt werden muss.

Dass Tal Silberstein nicht nur Jude ist sondern auch Israeli, macht ihn noch geeigneter als jüdischen Sündenbock. Denn der jüdische Einfluss aus dem Ausland ist ein etablierter antisemitischer Code, der gleichzeitig patriotische Gefühle anspricht. Dem bedient sich auch Ex-Vizekanzler Strache, wenn er in einem vielfach umgeschriebenen Facebook-Post schreibt: „Wir werden die Hintermänner des kriminellen Videos und Dirty Campainings Videos [aus dem Ausland gegen meine Person] ausfindig machen und meine Unschuld beweisen.“ Den Zusatz „aus dem Ausland“ löschte er später allerdings, wie der Bearbeitungsverlauf des Postings zeigt.

Der Bearbeitungsverlauf ist beachtlich. #Strache #Ibizagate pic.twitter.com/EIDTJWSiuv

— Lukas (@lukaswww_) May 22, 2019

Dabei passt dieses antisemitische Stereotyp und die ethno-nationalistische Ideologie der FPÖ perfekt in Straches Täter-Opfer Umkehr: Strache ist das wahre Opfer. Schuld an seiner Misere sind die Juden aus dem Ausland.

„Er hat für die Sozialdemokratie gearbeitet!“

Der Antisemitismus der Nationalsozialisten war nicht nur rassistisch sondern auch antikommunistisch. Das äußerte sich im Begriff des „Judeo-Bolschewismus“, mit dem sowohl Juden und Kommunisten in einen Topf geworfen wurden. Juden wurden nicht nur aufgrund ihrer Herkunft verfolgt, sondern auch weil ihnen die Nähe zum Kommunismus unterstellt wurde. Damit konnte das NS-Regime antisemitische Verschwörungstheorien auch dazu verwenden um gegen linke politische Gegner vorzugehen.

Als ehemaliger Berater der SPÖ passt Silberstein in den antisemitische Stereotyp des „Judeo-Bolschewiken“.

Wenn Kurz nun Silberstein als Drahtzieher des Ibiza-Videos verdächtigt, schiebt er damit indirekt der SPÖ die Schuld in die Schuhe. So verknüpft er gleich zwei Feindbilder: die Juden und die Linken.

Es ist sowohl für die FPÖ als auch für die ÖVP äußert praktisch, mit ihren Mutmaßungen über Silberstein den SozialdemokratInnen eins auszuwischen.

Die Heuchelei des Kanzlers

Erst jetzt nach dem Zerfall der ÖVP-FPÖ-Koalition gibt sich Bundeskanzler Kurz empört über die Dutzenden rechtsradikalen „Einzelfälle“ der FPÖ und betont wie viel „Kraft“ sie ihm gekostet hätten. Doch wie ernst kann man diese Empörung nehmen, wenn sich der Kanzler im selben Interview auf antisemitische Stereotypen anspielt? Solange es ihm politisch nützt, scheut der Kanzler vor nichts zurück – auch nicht vor antisemitischen Verschwörungstheorien. Das ist Heuchelei pur.

Parlament Das Thema "Antisemitismus" im Parlament

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1 Kommentar
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Jschuth
Jschuth
1. Juni 2019 07:17

Böhmermann beleidigt richtig die Österreicher pausenlos….Soros hat Israel Verbot!,,,,,,

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