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50 Jahre Steuersenkungen für Reiche blieben ohne „Trickle-Down“-Effekt

OeNB-Studie belegt massive Ungleichheit im Land

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Verteilungsgerechtigkeit
Lesezeit:2 Minuten
14. August 2023
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Die Mär hält sich, dass Steuersenkungen für Wohlhabende später mehr Investitionen, Arbeitsplätze und höhere Einkommen für die breite Bevölkerung zur Folge haben. Eine Studie der London School of Economics kommt jedoch zum klaren Ergebnis: In den letzten 50 Jahren haben Steuersenkungen auf Vermögen und Spitzeneinkommen lediglich einer Gruppe geholfen – den Reichen selbst.

Studie untersuchte 50 Jahre und 18 Länder

Die Studie, verfasst von David Hope von der London School of Economics und Julian Limberg vom King’s College London, hat 18 Länder – von Australien bis zu den Vereinigten Staaten – über den Zeitraum von 1965 bis 2015 unter die Lupe genommen.

Hierbei verglichen sie Länder, die in bestimmten Jahren Steuersenkungen für Vermögen und Spitzeneinkommen beschlossen haben mit Ländern, die diese nicht umgesetzt haben. Die USA haben beispielsweise 1982 unter Präsident Ronald Reagan die Steuern für Reche gesenkt. Auf Basis dieser konkreten Beschlüsse haben die Forschenden die Folgewirkungen untersucht.

Geringe Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung

Die Ergebnisse der Studie überraschen: Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sowie die Arbeitslosenquote waren nach fünf Jahren in Ländern, die Steuersenkungen für Reiche umgesetzt haben, nahezu identisch mit jenen Ländern, die keine derartigen Maßnahmen ergriffen hatten.

Eine entscheidende Veränderung gab jedoch in einem anderen Bereich: Die Einkommen der Reichen wuchsen deutlich schneller in den Ländern, in denen die Steuersätze gesenkt wurden.

Anstatt in die Mittelschicht zu gelangen, tragen Steuersenkungen für Wohlhabende eher dazu bei, dass die Reichen mehr von ihrem Vermögen behalten können – was die Ungleichheit der Einkommen weiter verschärft.

Schwache wirtschaftliche Begründung für niedrige Steuern auf Reichtum

Julian Limberg, Mitautor der Studie und Dozent für öffentliche Politik am King’s College London, erklärt: „Basierend auf unserer Forschung würden wir argumentieren, dass die wirtschaftliche Begründung für niedrige Steuern auf Reichtum schwach ist. Tatsächlich war die Zeit mit den höchsten Steuern für Reiche in der Nachkriegsperiode eine Zeit mit hohem wirtschaftlichem Wachstum und niedriger Arbeitslosigkeit.“

Nach Trumps Steuersenkungen müssen Superreiche weniger zahlen als die Mittelschicht

Die Studie endet im Jahr 2015 und beinhaltet für die USA beispielsweise nicht mehr die massive Steuerreform unter Präsident Donald Trump, die Ende 2017 in Kraft trat und die Steuern für Reiche und Unternehmen senkte. Limberg merkte hierzu an, dass die Ergebnisse dieser Steuerreform wahrscheinlich nicht signifikant von den bisherigen Ergebnissen abweichen würden.

Hierzu haben jedoch die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman von der University of California in Berkeley geforscht. Sie zeigten schon 2019, dass die Steuersenkungen von Trump das Vermögen der Superreichen erhöht haben. Erstmals zahlten im Jahr 2018 die 400 reichsten amerikanischen Familien niedrigere Steuern als die Menschen aus der Mittelschicht, so die Ergebnisse der Ökonomen.

Der 'Trickle-Down-Effekt' erklärt
„Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut“, ist die österreichische Version der sogenannten „Trickle-Down These“. Die behauptet nämlich, dass Begünstigungen für Konzerne und Vermögende zwar zuerst für die Reichen etwas bringen, es von dort aber wieder an alle durch Löhne und Wirtschaftswachstum zurückfließe. „Nach unten sickert“, was die deutsche Bedeutung von „Trickle-Down“ ist.

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