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Frauen besitzen um fast ein Viertel weniger als Männer

Frauen besitzen um fast ein Viertel weniger als Männer

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Frauen & Gleichberechtigung, Verteilungsgerechtigkeit
Lesezeit:3 Minuten
10. Oktober 2017
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Vermögen ist in Österreich enorm ungleich verteilt. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt so viel 90 % der ÖsterreicherInnen zusammen. Das ist bekannt und wurde von uns bereits analysiert. Neu sind jedoch Erkenntnisse zur Vermögensverteilung zwischen Männern und Frauen. Hier kann man feststellen: Es gibt eine immense Vermögenskluft zwischen den Geschlechtern. Frauen besitzen satte 23 % weniger als Männer.

Ungleichheit zwischen Männern und Frauen

Das wohl bekannteste Beispiel für die strukturelle Diskriminierung von Frauen ist der Gender Pay Gap. Also der Fakt das Frauen rein aufgrund ihres Geschlechts deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Hier liegt Österreich im traurigen europäischen Spitzenfeld mit 21,7 %. Dieses Phänomen ist mittlerweile gut erforscht und belegt. Weniger gut untersucht wurden bisher die Besitzverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Ein Grund dafür ist, dass es bis vor kurzem keine personenbezogenen Daten zu Vermögen gab. Diese Lücke schließt die zweite Welle des Household Finance and Consumption Survey (HFCS). Einer Studie der EU, die die Vermögen in den jeweiligen Mitgliedsstaaten erfasst. Ökonominnen der Wirtschaftsuniversität Wien haben nun diese Daten verwendet, um die Aufteilung des Vermögens zwischen den Geschlechtern in österreichischen Haushalten zu ermitteln. Die Ergebnisse zeigen: Es gibt deutliche Vermögensunterschiede aufgrund des Geschlechts, den sogenannten Gender Wealth Gap.

Gender Wealth Gap

Der Gender Wealth Gap beträgt in Österreich im Durchschnitt 23 %, jedoch schwankt er deutlich zwischen den Haushaltsformen. So beträgt die Vermögenslücke in Paarhaushalten satte 28 % zulasten der Frauen. Damit besitzen Frauen im Schnitt um 58.417 € weniger als Männer. Bei Paar-Haushalten kommt es vor allem auch auf den Wohlstand des Paares an. Je mehr sie besitzen desto ungleicher ist das Vermögen zwischen ihnen verteilt. Im Gegensatz dazu sind bei Single-Haushalten die Vermögensunterschiede am geringsten.

Reichtum konzentriert sich auf Männer

In der der Studie von Alyssa Schneebaum, Barbara Schuster und Julia Groiß wird ersichtlich: Je reicher ein Paar-Haushalt, desto höher ist der Gender Wealth Gap. Die ärmeren 50 % dieser Haushalte besitzen nur 6,9 % des Vermögens. Hier ist die Vermögensungleichheit am geringsten und beträgt nur 4 %. Ganz anders ist das beim reichsten Prozent, diese besitzt satte 28 % des Gesamtvermögens. Dieser enorme Reichtum teilt sich aber bei Weitem nicht gleich zwischen den Geschlechtern auf. Frauen aus dieser vermögenden Kategorie besitzen davon nämlich nur 24 %, wohingegen die Männer 76 % auf sich konzentrieren. Die Superreichen unseres Landes sind also überwiegend Männer. Man kann außerdem davon ausgehen, dass diese Werte bestenfalls Untergrenzen sind und die Vermögensverteilung noch ungleicher ist. Da es nur unzureichend Daten über Österreichs Superreiche gibt und die Houshold Finance and Consumption Survey zu einer Unterschätzung der reicheren Schichten neigt.

Vermögensungleichheit verfestigt Machtstrukturen

Diese Vermögenskluft führt zu einer Verfestigung der Machtverhältnisse. Die ungleiche Vermögensverteilung in Haushalten drängt Frauen in ein finanzielles Abhängigkeitsverhältnis von ihren Partnern. Der Großteil des Unternehmensbesitzes wird von Männern aus den Top 1 % der Haushalte gehalten. Diese Tatsache trägt wesentlich zu Phänomenen wie der „Gläsernen Decke“ und den Gender Pay Gap bei und in weiterer Folge auch zum Gender Wealth Gap. Das liegt daran, dass Männer dazu neigen, andere Männer einzustellen oder zu befördern. Und genau diese Entscheidungen werden häufig von Männern getroffen, da die Besitzverhältnisse zu vermehrt männlichen Entscheidungsträgern führen.

Verteilungspolitik ist Frauenpolitik

Vermögensungleichheit schadet Frauen besonders stark. Damit ist Verteilungspolitik immer auch Frauenpolitik. Doch welche Maßnahmen können die Verhältnisse wieder ins Lot bringen? Zunächst liegt die enorme Ungleichverteilung daran, dass in Österreich Arbeit viel stärker besteuert wird als Vermögen. Eine effektive Maßnahme wäre es Einkommen bis 1.500 € steuerfrei zu machen, davon würden Frauen besonders stark profitieren, da sie vermehrt im Niedriglohnsektor arbeiten. Andere Maßnahmen sind klarerweise Erbschaft– und Vermögenssteuern. Denn eine gerechte Vermögensverteilung führt auch zu einem gleichberechtigteren Leben.

Zum Weiterlesen:

Studie: Vermögensunterschiede nach Geschlecht. Erste Ergebnisse für Österreich

5 Behauptungen zum Gender Pay Gap, die du nicht glauben solltest

Handbuch Reichtum: Wer gehört zum reichsten Prozent?

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na klar
na klar
27. August 2018 09:26

„Verteilungspolitik ist Frauenpolitik“ – alleine das ist ein eindeutiges Zeichen für das Ziel: Verteilen – nicht erwirtschaften !
Das was der/die eine erwirtschaftet soll auf den/die andere verteilt werden.
Natürlich ohne Gegenleistung ! So wie es auch immer bei Scheidungen gespielt wird !

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Raul Wiesinger
Raul Wiesinger
30. Oktober 2017 21:04

Wahnsinn…

Meine Frau bekommt auch 50% weniger als ich. Aber mein Geld verwaltet sie trotzdem.

Apropos. Woher haben die Kaffeesudleser die Info. Vor Allem nachdem es keine vermögensbezogenen Steuern in Österreich gibt…vom Karl Marx?

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Heringlehner Herbert
Heringlehner Herbert
10. Oktober 2017 16:26

Ich setze mich seit Jahren ein dass die Arbeiter am erwirtschafteten Vermögnen besser beteiligt werden.
Es ist nicht tragbar dass die Arbeiter Billionen erwirtschaften und mit Minilöhnen abgespeist werden wo der Politiker die Voraussetzung geschaffen hat siehe Deutschland wo 30 Millionen Menschen in die Armut getrieben wurden durch die Politiker und 20 Millionen Rentner Ihre Mieten nicht mehr bezahlen können da die Rente bei 800.- Euro ist.
Herbert Heringlehner

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Der niederländische Historiker Rutger Bregman wurde 2019 einem neuen Publikum bekannt, als er beim Wirtschaftsgipfel in Davos kritisiert hat, dass man dort nicht genug über Steuern und Gerechtigkeit spricht. Der Auftritt wurde zu seinem Markenzeichen. Nun hat er in einer Talkshow den norwegischen Milliardär zur Rede gestellt, warum der sein Vermögen nicht besser für die Gemeinschaft nutzt. Bregman findet: Wer enormen Reichtum hat, soll diesen auch nutzen, um die Welt besser zu machen. Er fordert mehr moralische Ambition. Zitat: Ich fordere nicht, dass wohlhabende Menschen ihre Strandhäuser, Luxusautos oder Rolex-Uhren aufgeben. Ich fordere sie auf, zukünftige Historiker stolz zu machen. Die Geschichte erinnert sich nicht an Anlageportfolios. Sie erinnert sich an jene, die alles auf eine Karte gesetzt haben - die ihre Ressourcen, ihre Karrieren und ihren Ruf genutzt haben, um für etwas zu kämpfen, das größer ist als sie selbst. Rutger Bregman

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