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Österreichs Bodenschatz

Österreichs Bodenschatz

Andrea Maria Dusl Andrea Maria Dusl
in Andrea Maria Dusl - Comandantina
Lesezeit:3 Minuten
10. Dezember 2017
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Stellen wir uns eine Welt vor, in der das Lesen nur reichen Herrschaften erlaubt wäre. Und ausgewählten Religionsexperten. Und einer Handvoll Spezialisten in Ämtern und Behörden. Die einfachsten Dinge in dieser Welt wären nicht mehr möglich. Zeitungen gäbe es nicht mehr. Strassenschilder wären sinnlos und auf die Packungen der Lebensmittel wären einfache Symbole gedruckt, wenn überhaupt. Die Welt, wie wir sie kennen, wäre mangels Literarität ins tiefste Mittelalter zurückkatapultiert. Stellen wir uns weiter vor, die meisten von uns könnten zwar bis zehn zählen, wüssten aber nicht, wie viel 14 mal 158 wäre oder 4% von 2478. Wir wären auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass uns die wenigen, die rechnen könnten, nicht übers Ohr hauten. (Und sie würden!)

Das Mittelalter, das hier skizziert wird, wäre nicht nur dunkel, sondern auch gefährlich.

Aber genau solch ein Mittelalter existiert in weiten Teilen der Welt. An der Stelle wissenschaftlicher Erkenntnisse und gesellschaftlichen Diskurs stehen die Dogmata von Religionen und die Auslegung von Verhaltensvorschriften durch eine kapitalgesteuerte Elite-Klüngel.

Wir wollen uns solche Verhältnisse für Europa, für Österreich nicht vorstellen. Sie liegen nicht so lange zurück. Schlappe 243 Jahre sind vergangen, seit in Österreich die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde und im tiefem Mittelalter das Licht aufgedreht wurde. Nicht viel Licht anfang, aber genug, um in der Moderne anzukommen. (Mit barbarischen Rückfällen allerdings.) Andere Länder waren da schneller. Nun gut, wir haben ein wenig aufgeholt, können unsere Verträge selber lesen, das Urlaubsbudget ausrechnen und im Internet recherchieren, wann die neue Playstation kommt.

Wir könnten viel mehr. Als Einzelne. Als Gesellschaft.

Österreich ist ein kleines Land. Wir lernen als Kinder, es sei das Land der Berge, das Land am Strom, das Land von Äckern und von Domen, es habe Hämmer und sei zukunftsreich. Das wars dann auch schon mit der Aufzählung. Von Rohstoffen und Handelszentren hören wir nichts. (Von Töchtern erst seit Kurzem.)

Mangels ausbeutbarer Bodenschätze bewirtschaften wir die Oberfläche des zerklüfteteten Landes. Stampfen also Schipisten in unsere Berge. Die Lifte und Gondelbahnen dafür betreiben wir mit dem Strom aus dem Strom. Mit den Hämmern dengeln wir Schischuhschnallen und auf den Äckern bauen wir Frühstückssemmerln an, die Panier fürs Schnitzerl und die Bramburi für den Erdäpfelsalat. Vor den Domen spielen wir Jedermann. Ein Stück, das bekanntlicherweise ungünstig ausgeht.

War da noch was in der Hymne? Ah, ja. Die Zukunft. Davon, so sagt die Hymne, haben wir viel. Österreich ist zukunftsreich. Was aber ist die Zukunft?

Zukunft ist all das, was möglich ist. Möglich ist all das, was wir uns vorstellen können, minus dem, was wir nicht zusammenbringen. Eine gute Strategie für Österreich, das Land ohne Rohstoffe und Seehäfen, wäre es, in die Zukunft zu investieren. In Kenntnisse und Fertigkeiten. In alles, was möglich ist, in alles was vorstellbar ist. Und in die Minimierung aller Vorbehalte, die da lauten; “Geht net”, “kemma net.”

Wer nicht lesen kann oder rechnen, wird sich zwar ein Apferl vorstellen können und einen Bohnenstingel, vielleicht sogar einen Schiliftbügel und den Schatz im Silbersee aber keine integrierten Schaltkreise, keine Gensequenzen und auch der Unterschied zwischen Zauberberg und Bambiland wird der Analphabetin und dem Analphabeten relativ powidel sein.

Österreich ist daher gut beraten, seinen einzig verfügbaren Rohstoff zu gewinnen, den Rohstoff Geist. Dieser wird in Schulen und Lehranstalten, auf Hochschulen und Universitäten geschürft. Und er wächst nach. Je mehr von ihm gefördert wird, desto mehr von ihm sprudelt nach. Dass Studierende den Universitäten die Türen einrennen, ist ein gutes Zeichen. Ein sehr gutes Zeichen. Diese Türen mit Zugangsbeschränkungen und Gebühren wieder zu verbarikadieren wäre schiere Unvernunft. Dummheit. Roheit.

Oder in der Sprache derer formuliert, die in Schiliftbügeln und Silbersee-Talern rechnen: Es käme dem Vorhaben gleich, das Schifahren nur mehr der Elite zu erlauben und Landwirtschaft und Energiegewinnung ausschließlich für die Hohen Herren zu betreiben. Mittelalter.

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E. Penzias
E. Penzias
27. Dezember 2017 18:01

Danke, liebe Andrea Maria Dusl, für diesen Beitrag. Er ist ein kleiner Lichtstrahl in dieser politisch dunklen Zwischenfeiertags- Strecke! Ein Land, das es sich leistet, seinen Bodenschatz nicht zu heben, bleibt ein bedauernswertes Entwicklungsland. Bitte mehr von dieser Art Denk- Beiträge … das bedauernswerte kleine Entwicklungsland hat nagelneue Ministerinnen und Minister und die wieder haben nagelneue Staatssekretärinnen und Staatssekretäre und alle miteinander sind wahrscheinlich noch nicht dazugekommen, über Schiliftbügel und Silbersee-Taler hinaus zu rechnen.

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Peter Degischer
Peter Degischer
12. Dezember 2017 11:21

Lt.“soziale Inklusions-Bilanz“ des social-inclusion-monitor.eu der BertelsmannStiftung zählt Österreich zu den führenden Ländern der EU in der sozio-ökonomische Diskriminierung der Begabungen; nur übertroffen von CZ, HU, FR (traditionell elitäres Bildungswesen), BG und SK. Der Reformbedarf zählt zu den höchsten im Vergleich mit anderen EU-Ländern. Von den PolitikdarstellerInnen wird nur über Nebensächlichkeiten referiert, um von wirklichen, zielstrebigen Verbesserungspotenzialen abzulenken. Der Schrei der PädagogInnen geht im Geplänkel der GewerkschaftsvertreterInnen unter. Sie müssen lauter werden!

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Robert Bosch war ein erfolgreicher Unternehmer des 20. Jahrhunderts und ein Gegner des Nationalsozialismus. 1886 gründete er in einem Stuttgarter Hinterhaus eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik, die heutige Robert Bosch GmbH. Während der Zeit des Nationalsozialismus diente sein Unternehmen als geheime Anlaufstelle für den Widerstand gegen Hitler. Außerdem gilt Posch als Pionier der sozialen Marktwirtschaft und prägte die Automobil- und Elektroindustrie mit. Zitat: Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle. Robert Bosch
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Robert Bosch war ein erfolgreicher Unternehmer des 20. Jahrhunderts und ein Gegner des Nationalsozialismus. 1886 gründete er in einem Stuttgarter Hinterhaus eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik, die heutige Robert Bosch GmbH. Während der Zeit des Nationalsozialismus diente sein Unternehmen als geheime Anlaufstelle für den Widerstand gegen Hitler. Außerdem gilt Posch als Pionier der sozialen Marktwirtschaft und prägte die Automobil- und Elektroindustrie mit. Zitat: Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle. Robert Bosch
Robert Bosch war ein erfolgreicher Unternehmer des 20. Jahrhunderts und ein Gegner des Nationalsozialismus. 1886 gründete er in einem Stuttgarter Hinterhaus eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik, die heutige Robert Bosch GmbH. Während der Zeit des Nationalsozialismus diente sein Unternehmen als geheime Anlaufstelle für den Widerstand gegen Hitler. Außerdem gilt Posch als Pionier der sozialen Marktwirtschaft und prägte die Automobil- und Elektroindustrie mit. Zitat: Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle. Robert Bosch

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