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Wie Österreich durch Tech-Konzerne jährlich 200 Millionen Euro an Gewinnsteuern verliert

Quelle: Adobe Express, Firman logos

Lena Krainz Lena Krainz
in Digitales Leben & Web, Internationales, Verteilungsgerechtigkeit
Lesezeit:4 Minuten
30. Juli 2025
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Große Digitalkonzerne wie Google, TikTok und Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp) machen in Österreich mit Online-Werbung ein Milliardengeschäft – zahlen aber kaum Steuern auf ihre Gewinne. Denn die Werbeeinnahmen fließen direkt an Töchter-Unternehmen in Niedrigsteuerländer wie Irland. Laut einer Recherche der Crowdfunding-Plattform Kollektor sind dem österreichischen Staat dadurch allein 2024 rund 200 Millionen Euro an Steuereinnahmen entgangen.

Die großen internationalen Digitalkonzerne machen in Österreich Milliarden-Geschäfte. Neben Einnahmen aus Cloud-Services (z.B. Online-Datenspeicherung), Abo-Modellen (Streaming, Gaming, Apps) oder Hardwareverkäufen verdienen Google, Meta und TikTok in Österreich vor allem mit Werbung ihr Geld. So schalten beispielsweise Unternehmen auf diesen Plattformen Anzeigen, die dann dem österreichischen Publikum millionenfach eingeblendet werden. Die österreichischen Nutzer:innen sind also die Basis für die Werbeleistungen der Online-Plattformen. Damit findet die Wertschöpfung hierzulande statt – der Gewinn daraus landet aber bei ausländischen Tochter-Unternehmen, wie etwa bei der Google Ireland Ltd. oder der Meta Platforms Ireland Limited. In Irland fällt dann eine Gewinnsteuer nur in Höhe von 12,5 Prozent an, während sie in Österreich immerhin noch bei 23 Prozent liegt.

Online-Werbung: Konzerne machen 870 Millionen Gewinn – aber zahlen kaum Gewinnsteuer

Es geht dabei um viel Geld: Internationale Tech-Konzerne haben mit ihrem Werbegeschäft in Österreich alleine 2024 geschätzte 2,48 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet – Tendenz stark steigend. Etwa die Hälfte entfällt auf Google, 30 Prozent auf Meta und etwa 4 Prozent auf TikTok. Geht man von einem branchenüblichen, konservativ geschätzten Gewinnanteil am Umsatz von 35 Prozent aus, entspricht das einem Gewinn von 869 Millionen Euro. Wäre diese Summe in Österreich versteuert worden, hätte Österreich laut der Recherche von Kollektor rund 200 Millionen Euro an Steuereinnahmen erhalten. Zum Vergleich: Mit 200 Millionen Euro könnte man 3.600 neue Pflegekräfte einstellen – oder etwa 1.000 neue Gemeindewohnungen errichten. Tatsächlich fließen aus diesen Werbe-Gewinnen aber kaum Erträge in die österreichische Staatskasse.

Seit 2020 sind Österreich rund 757 Millionen Euro Steuereinnahmen entgangen

Laut Recherchen der Crowdfunding-Plattform Kollektor machte dieser Steuervermeidung zwischen 2020 und 2024 insgesamt rund 757 Millionen Euro aus. Die Berechnungen beziehen sich lediglich auf das Geschäft mit der Online-Werbung. Andere Einnahmequellen wie Cloud-Dienste, Abo-Modelle oder Hardwareverkäufe sind unberücksichtigt. Tech-Giganten wie Apple oder Amazon bleiben damit weitgehend außen vor. Somit dürfte es sich bei dieser Summe lediglich um die Spitze des Eisberges der Steuervermeidung von Tech-Konzernen handeln. Schätzungen gehen von insgesamt etwa 1,35 Milliarden Euro aus, die Österreich jedes Jahr aufgrund von Steuerflucht von Konzernen verliert.

Und das schadet der österreichischen Wirtschaft massiv: Einerseits haben die internationalen Digitalkonzerne durch solche Geschäftspraktiken einen Wettbewerbsvorteil gegenüber heimischen Unternehmen, die die volle Steuer in Österreich zahlen. Andererseits entgehen dem Staat Millionen an Einnahmen, die gerade in Zeiten eines hohen Budgetdefizits für Investitionen in Bildung, Pflege, Arbeitsmarkt oder Klimaschutz benötigt werden.

Digitalsteuer: ein notwendiger Zwischenschritt

Die Recherche deckt damit erstmals auf, wie viel Steuereinnahmen dem Staat aufgrund dieser Konzern-Konstruktionen im Online-Werbebereich entgehen. Seit 2020 erhebt Österreich zumindest eine 5 %-ige Digitalsteuer auf Online-Werbung großer Tech-Konzerne. Sie bringt zwar Einnahmen (2024: 124 Mio. €), liegt aber deutlich unter dem, was bei einer vollständigen Besteuerung – wie bei jedem in Österreich ansässigen Unternehmen üblich – möglich wäre. Hinzu kommt, dass die Konzerne die Digitalsteuer an österreichische Werbekund:innen weitergeben und dadurch kaum betroffen sind. Google schreibt sogar selbst in ihrem Hilfe-Bereich, dass sie die Steuer einfach an ihre Kund:innen weiterverrechnen.

Dennoch ist die Digitalsteuer aktuell eine notwendige Übergangslösung – bis es internationale Regeln gibt, die auch andere digitale Geschäftsbereiche erfassen. Sollte die Digitalsteuer ersatzlos gestrichen werden – so wie es international aktuell diskutiert wird – wären die Digitalkonzerne dadurch noch stärker steuerlich begünstigt, als sie es bereits jetzt sind.

Italien und Frankreich forderten bereits Steuernachzahlungen von Google ein

Mehrere europäische Länder forderten in den letzten Jahren von den Digitalkonzernen rückwirkend Steuern ein. So zum Beispiel in Frankreich: Französische Ermittler warfen Google vor, durch die Irland-Abwicklung ihrer Gewinne in Frankreich Steuern hinterzogen zu haben. Es kam zu einem Steuerfahndungs-Verfahren, das im September 2019 mit einem Vergleich endete: Google zahlte knapp 1 Milliarde Euro an den französischen Staat (500 Mio. Euro Strafzahlung und 465 Mio. Euro Steuernachzahlung).

Italien hatte bereits 2017 einen ähnlichen Deal erzielt: Google beglich 306 Millionen Euro für die Jahre 2002–2015, nachdem die Steuerpolizei eine permanente Betriebsstätte in Italien festgestellt hatte. Für 2016 bis 2020 musste Google Italien erneut 326 Millionen Euro nachzahlen. Auch von Meta verlangt Italien aktuell eine Steuernachzahlung in Höhe von 887,6 Millionen Euro.

Italien und Frankreich sind zwar mit Österreich rechtlich und wirtschaftlich nicht direkt vergleichbar, weil jedes Land eigene steuerliche Rahmenbedingungen und Unternehmensstrukturen hat. Dennoch zeigen diese Beispiele, dass die Besteuerung von Werbeeinnahmen globaler Digitalkonzerne grundsätzlich möglich ist. Vor diesem Hintergrund wird auf internationaler Ebene und innerhalb der EU an umfassenden globalen Besteuerungsregeln für die digitale Wirtschaft gearbeitet, etwa dass Gewinne dort besteuert werden sollen, wo sie entstehen – und nicht in Niedrigsteuerländern. Wäre dieses Modell flächendeckend und international bereits umgesetzt worden, hätte das auch für Österreich in wenigen Jahren zusätzliche Steuereinnahmen von mehreren hundert Millionen Euro bedeuten können.

Über die Recherche-Plattform Kollektor
Kollektor ist eine Crowdfunding-Plattform für journalistische Recherchen. Die von einem Verein getragene Website bringt Menschen, die innovative Projekte im Bereich von Journalismus und Medien schaffen möchten, mit Menschen zusammen, die genau solche Projekte unterstützen wollen. Durch projektbezogenes Spendensammeln sollen so Qualitätsjournalismus und ambitionierte Projekte unterstützt werden, die ohne Spenden nicht realisiert werden könnten. Mehr dazu gibt es hier.
Parlament Das Thema "Digitalkonzerne" im Parlament

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Leonard Nimoy war ein vielseitiger Künstler, der vor allem durch seine Rolle als Mr. Spock in der legendären Serie „Star Trek“ bekannt wurde. Als Vulkanier, der zwischen logischer Vernunft und menschlicher Emotion balancierte, prägte Nimoy eine Figur, die zu einem Markenzeichen der Sci-Fi-Kultur wurde. Doch sein Talent ging weit über das Schauspiel hinaus: Er war auch Regisseur, Musiker und Fotograf. Neben seiner Arbeit in der Unterhaltungsindustrie setzte er sich für soziale Themen ein und hinterließ einen bleibenden Eindruck sowohl auf als auch neben der Leinwand. Zitat: Das ist ja das Wunder. Je mehr wir teilen, desto mehr haben wir. Leonard Nimoy

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