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Interne Kritik: „ÖVP nicht mehr Arbeitnehmerpartei sondern 100 % Wirtschaftspartei“ + weitere lesenswerte Artikel

Alles zur Ibiza-Affäre

Lesenswerte Artikel der Woche, empfohlen von der Kontrast-Redaktion. Wir wünschen ein erholsames Wochenende und jede Menge Lesespaß!

VP-interne Kritik: „Die Grenzen zwischen Arbeitnehmervertreter und -verräter verschwinden“ (Tiroler Tageszeitung)

Der ÖVP-Politiker und Tiroler AK-Chef Erwin Zangerl sieht die ÖVP nicht mehr als Arbeitnehmerpartei sondern als eine 100 % Wirtschaftspartei. Reformen lehnt er nicht ab, aber die ArbeitnehmerInnen dürfen bei den Kassen und der AUVA nicht insofern die Zeche dafür zahlen, dass sich andere dort Macht, Geld und Einfluss sichern wollen. Er ärgert sich über die „Unverfrorenheit der FPÖ, demokratische Strukturen undemokratisch zu zerschlagen wie die Selbstverwaltung bei den Krankenkassen“ und über „die Geschenke an den ‚Oberlobbyisten Industriellenvereinigung‘, die sich immer mehr Einfluss sichert“.

Im Wiener Teil der türkisen Partei verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeitnehmervertreter und -verräter, findet Zangerl. Von Kanzler Kurz fordert er „klare Worte an die FPÖ und die eigene Partei“. Er kündigt Protestmaßnahmen an, wenn nicht bald eine Wende geschieht.

Lesen Sie mehr: tt.com

Die FPÖ setzt Journalisten unter Druck (Spiegel online)

Der ORF ist der FPÖ seit jeher ein Dorn im Auge. Rund um den Regierungsantritt drohte die Partei mit „Objektivitätsoptimierungen“, einer „Verkleinerung“ des Senders und damit, ein Drittel der AuslandskorrespondentInnen zu streichen „wenn diese sich nicht korrekt verhalten“. Klar ist: Die FPÖ ist unzufrieden mit dem ORF – und mag besonders ZIB-Anchorman Armin Wolf nicht. HC Strache postete : „Es gibt einen Ort, wo Lügen und Fake News zu Nachrichten werden. Das sind der ORF und das Facebook Profil von Armin Wolf.“

Die Angriffe auf den ORF finden in einer Zeit statt, in der der öffentlich-rechtliche Rundfunk in ganz Europa unter Beschuss steht. In den sozialen Medien und in manchen Zeitungskommentaren sehen Beobachter allerdings nicht nur den ORF, sondern die Pressefreiheit in Österreich insgesamt bedroht und vergleichen Österreich mit Orbans Ungarn oder Erdogans Türkei. Eine mögliche Strategie, die hinter den Angriffen stehen könnte: Kritisiert die FPÖ zum Beispiel zu hohe Sozialabgaben, weiß sie, dass sie damit auch immer ihre eigene Wählerschaft trifft. „Aber zielt sie auf die Medien und den ORF, ist sie sich großer Zustimmung der eigenen Wählerschaft sicher.“

Lesen Sie mehr: spiegel.de

Wie die „Kronen Zeitung“ Politikerinnen frauenverachtend herabwürdigt (Der Standard)

Nach Sandra Frauenbergers Abgang wird nun Renate Brauner von den Boulevardmedien attackiert. Um konstruktive Kritik geht es dabei allerdings nicht. Das Motiv scheint vor allem Frauenverachtung zu sein. Unter anderem bekam Brauner „Post von Jeannée“, der abschätzig über ihr Äußeres und das damit verbundene „Sitzfleisch“ schreibt. Seit Jahren kampagnisieren das Blatt und sein Online-Ableger gegen bestimmte „linke“ Wien-Politikerinnen. Wobei „links“ durchaus als Schimpfwort zu verstehen ist. Angegriffen werden auch Feministinnen, „Gutmenschen“, „Ausländer-Freunde“.

Kritik an Politikerinnen, Managerinnen, Frauen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen, ist erlaubt, legitim, notwendig. Wenn die Kritik allerdings darauf abzielt, eine Frau auf sexistische und frauenverachtende Weise herabzuwürdigen und ihr Äußeres zu verhöhnen und dies noch dazu unwidersprochen bleibt, ist das nicht in Ordnung. Denn viele gescheite, gut ausgebildete, talentierte Frauen werden sich gut überlegen, ihren Platz in der Öffentlichkeit zu beanspruchen, wenn diese Art von „Kritik“ akzeptiert ist.

Lesen Sie mehr: derstandard.at

Weniger arbeiten: Teilzeit für Alle? (Taz)

Die Autorin fragt sich: Wie könnten sich alle, die das wollen, Teilzeit leisten? Im Augenblick denken viele über Arbeitszeit nach. Die Politik tut es, die Gewerkschaften und die Unternehmen. Die Frage, ob sich Arbeitszeit ausweiten oder reduzieren lässt, taucht überall auf. Bisher haben sich allerdings nur Arbeitgeber mit der Flexibi­lisie­rung nach oben durchgesetzt.

Teilzeitarbeit erscheint als große Umverteilungsutopie: Für die Männer etwas weniger Arbeit, Frauen etwas mehr, Führungskräfte weniger. In der Realität bewegt sich beim Thema Arbeitszeit aber wenig. Die Quote der Frauen, die Teilzeit arbeiten, liegt seit zehn Jahren bei rund 46 Prozent, die überwiegende Mehrheit sind Mütter. Bei den Männern ist der Anteil der Teilzeitarbeitenden auf 10 Prozent gestiegen. Die deutliche Mehrheit, etwa zwei Drittel der Familien, lebt ein männliches Ernährermodell mit den Frauen als Hinzuverdienerinnen.

Forschungen haben jedoch ergeben: Die meisten Menschen haben ein Unbehagen daran, so viel zu arbeiten. Sie leben nicht so, wie sie es sich einmal vorgestellt haben und haben die Fantasie, es könnte anders sein. Hilfreich ist es, wenn andere vorangehen, wenn Betriebe ihren MitarbeiterInnen die Wahl lassen zwischen mehr Urlaubstagen oder mehr Geld.

Für Veränderung braucht es ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Teilzeitarbeitende Männer verletzen nicht nur die Erwartung der meisten Männer, sondern auch der meisten Frauen. Die Teilzeitgrenze verläuft nicht nur entlang unterschiedlicher Rollenbilder, sie verläuft auch entlang sozialer und finanzieller Gräben.

Lesen Sie mehr: taz.de

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