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Schwarzblaue Kürzungen bei der Justiz gefährden nun den Rechtsstaat

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Berzirksgericht Josefstadt Justiz Kürzungen Sparkurs

Berzirksgericht Josefstadt

Foto: Kontrast.at/Kathrin Glösel

Sara Mohammadi Sara Mohammadi
in Schwarz-Blau
Lesezeit:4 Minuten
8. August 2019
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Personalmangel, Abwanderungen, verzögerte Prozesse: Die Kürzungen von Schwarz-Blau bei der Justiz sind bei den Bezirksgerichte deutlich zu spüren. Einige Gerichte reagieren nun und rufen den Notfallmodus aus. Sie warnen, dass der Rechtstaat in Gefahr ist.

„Die Anzahl der Mitarbeiter  im Kanzleibereich hat sich stark verringert. Wir haben vor allem große Schwierigkeiten, wenn jemand krank ist oder auf Urlaub geht. In sehr vielen Kanzleien, in denen früher zwei bis drei Leute gesessen sind, steht jetzt eine Person alleine da“, erklärt Oliver Scheiber. Er ist Leiter des Bezirksgerichts Meidling. „Die Situation hat sich vor allem in den letzten 12 Monaten verschlimmert. Sehr viele Mitarbeiter wechseln zur Polizei, zum Innenministerium und Finanzministerium, die attraktivere Arbeitsbedingungen bieten.“

Als Gegenmaßnahme werden MitarbeiterInnen breiter ausgebildet. So können sie  im Kanzleibereich möglichst viele Aufgaben übernehmen und in anderen Bereichen einspringen. Kanzlei-MitarbeiterInnen, die bisher im Strafrecht gearbeitet haben, müssen also auch im Familien- und Zivilrecht arbeiten können. Durch die Personalnot ziehen sich die Ausfertigungsfristen bei vielen Gerichten in die Länge. Akten liegen wochenlang im Fach, obwohl die zuständigen Richterinnen und Richter sie abgearbeitet haben. Die Termine zwischen Verhandlungen werden länger. Es kommt zu Verzögerungen bei Grundbucheintragungen.

Sparkurs bei Justiz: Notfallmodus ausgerufen

Auf diese negativen Entwicklungen hin hat das Bezirksgericht Bruck an der Leitha den Notfallmodus gemeldet. “So etwas ist keinesfalls eine Protestmaßmahme”, sagt Scheiber. “Die Leiter der Bezirksberichte haben beschlossen, dass sie Notfallpläne benötigen, falls Mitarbeiter in den Krankenstand gehen oder den Arbeitsplatz wechseln wollen. Hierzu gibt es nun verschiedene vorbereitete Handlungsweisen wie beispielsweise telefonfreie Nachmittage. Es ist der Versuch, sich strategisch vorzubereiten, falls zu wenige Leute im Gericht sind.” Dabei haben die Gerichtsvorsteher schon im Mai 2018 vor dem drohenden Kollaps gewarnt. „Jetzt sind wir noch einen Schritt weiter Richtung Kollaps“, erzählt Andrea Michalec. Sie ist Vorsitzende des Arbeitskreises GerichtsvorsteherInnen, gegenüber der “Kleinen Zeitung”.

Gefahr für den Rechtsstaat

Die Kürzungen haben laut Scheiber negative Folgen für den ganzen Rechtsstaat: “Wenn die Polizei 2.000 neue Planstellen bekommt während bei der Justiz gespart wird, ensteht ein Missverhältnis zwischen Polizei und Justiz . Und so entsteht ein rechtstaatliches Problem.” Denn wer soll das Mehr an Anzeigen abarbeiten? Das Mehr an Prozessen führen?

–  Auf 100.000 Einwohner kommen derzeit 20 RichterInnen. Im Jahr 2016 waren es noch durchschnittlich 27,4 RichterInnen.

–  Auf 100.000 Einwohner kommen derzeit 4,1 StaatsanwältInnen. Im europäischen Schnitt sind es hingegen 11,7 StaatsanwältInnen.

–  Auf 100 Einwohner in Österreich kommen pro Staatsanwalt 5,9 Fälle (pro Jahr: 1.624 Fälle). Im europäischen Schnitt sind es hingegen 578 Fälle, also in etwa ein Drittel der Belastung in Österreich.

Auch im Bereich der Rechtspfleger und im Verwaltungsbereich wurde massiv gekürzt: Seit 2013 wurden über 400 Planstellen gestrichen.

Zusätzlich erwächst ein Nachwuchsproblem: Richteramts-AnwärterInnen haben Angst, dass sie nach ihrer jahrelangen Ausbildung nicht in den Richterstand übernommen werden. Das führt dazu, dass sich RechtspraktikantInnen trotz ausgezeichneter Richter-Eignung für einen anderen Beruf entscheiden.

Gefährlicher Sparkurs bei der Justizwache

Eine weiteres Problem, das durch die Kürzungen entstanden ist, sind die 200 unbesetzten Stellen in der Justizwache. ÖVP und FPÖ haben beschlossen, dass bis 2020 keine neuen Planstellen für die Justiz vorgesehen sind. Der Personalmangel macht sich in den Justizanstalten bemerkbar:

In Justizanstalten haben sich die Angriffe auf die Justizwache-Mitarbeiter seit 2014 verdreifacht.

2018 kam es zu 180 Fluchtversuchen, 47 davon waren erfolgreich. Die Situation in einigen Justizanstalten ist dramatisch:

– In der Justizanstalt Graz-Jakomini werden von 175 ausgewiesenen Planstellen lediglich 137 JustizwachebeamtInnen für Nacht- und Wochenenddienste eingesetzt. 20 Planstellen sind generell nicht besetzt.

– In der Justizanstalt Innsbruck sind von 162 Planstellen lediglich 154 besetzt, 5 weitere BeamtInnen befinden sich im Dauerkrankenstand. Die Folgen: über 250 Überstunden und nur 2 freie Tage pro Monat.

– In der Justizanstalt Wien-Josefstadt gibt es 1.200 Insassen bei einer Belagsfähigkeit von 990. Die Auslastung beträgt daher 120%.

Petition „Rettet die Justiz“ gestartet

Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, hat die ehemalige Justizministerin Maria Berger (SPÖ) die Petition „Rettet die Justiz“ gestartet. Sie fordert von der künftigen Regierung, in Justiz und Rechtsstaat zu investieren. Vor allem die Gerichte haben eine starke Erwartungshaltung an die neue Regierung. Die Kürzungen sollen gestoppt werden, zusätzlich erwartet man finanzielle und personelle Hilfe. Vertreter der Parlamentsparteien haben aufgrund der Personalknappheit in der Justiz an die nächste Regierung appelliert, für eine bessere Ausstattung zu sorgen.

Die SPÖ fordert die sofortige Besetzung der 200 offenen Stellen im Justizwachebereich und die Aufstockung des Justizpersonals. Auch die Arbeitsbedingungen der Justizwache sollen verbessert werden.

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2 Comments
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Kürzen, kürzen,
Kürzen, kürzen,
8. August 2019 15:09

kürzen!

Seit nunmehr über 10 Jahre schreibe ich in verschiedenen Blogs darüber, dass die sogenannte „menschlich gemachte Klimakatastrophe“ ganz einfach durch Aufforstung wettzumachen ist. Erfahrungen aus den verschiedensten Bereichen und einige Zahlen haben mich lange vor den Forschern darauf gebracht, die erst die letzten Monate begonnen haben, in diese Richtung zu denken. Das ist nicht nur zu spät, sondern noch dazu bringt denken nichts: man muss auch handeln.

Seit es die Klimakontroverse gibt, wird darüber nachgedacht, wie man unsere Emissionen beschränken kann. Meistens leider nur über den Preis. So wird derzeit im gar nicht so großen Deutschland begonnen, nein, nicht das Fliegen zu verteuern, sondern das Bahnfahren zu subventionieren, sodass man umstiege auf die Bahn. Und man solle dies und jenes verstaatlichen. Einmal mehr zeigt dies die absolut totale Dummheit von Politikern, die nichts im Sinn haben als die eigene Popularität. Diese ist leider keinen Cent wert.

Zum gesamten Problem muss ich weiterhin anmerken, dass wir seit 1850 über 90 % der Bäume weltweit abgeholzt haben; und dass es einen holzwirtschaftlichen Vertrag gibt, der es erlaubt, bis 2050 weitere 50 % in Angriff zu nehmen. sodass noch 5 % des Waldes von 1850 stehen bliebe. Landwirtschaftlicher Anbau und der Eigennutz vieler narzisstischer Leute, besonders die weitere Bereicherung sogenannter Eliten tun ihren Rest. „Nichts da mit Anbau“, tönt es aus den hohlen Glocken, „kein Platz!“. Weiter hört man, dass man dann auch nicht die nötigen Lebensmittel anbauen könne.

Tja, denken ist übler als vernichten. Platz gibt es weltweit aber genug. Außerdem sind kleine Flächen wie Deutschland, aber ganz besonders Österreich kein Kriterium fürs ganze Kügelchen. Aufforsten, basta! Und nicht kürzen, kürzen, kürzen, wohingegen die Geldeliten, die, die sich auf Kosten aller anderen alles Papier und viel Metall, neulich Bits and Bites angehäuft haben, mit den Kredittricks, dem Börsenbetrug, der Ausbeutung von Arbeit etc., die haben dem Rest den Kampf angesagt. Und der Rest soll Bezahlen: In ihre Kassen. Durch den Verbrauch des Arbeitseinkommens in die teuren, neuen Technologien, dann muss man auch das Einfachere nicht in Angriff nehmen. Das sollen die späteren Generationen tun, so ist’s einfach, so ist’s bequem.

Und uns Reichen gibt man dann halt Sondergenehmigungen fürs Verbrennungsmotorautofahren, fürs Fliegen usw. Die vom Arbeiter abgetrotzten Ferraris und Lamborghinis müssen auf der Straße bleiben. Und weil wir uns so bereichert haben, reden wir den Völkern ein, dass sie künftig sozial von den Zuwanderern ausgebeutet werden, aber nicht von den wahren Tätern in Industrie, den Banken, Bösen … Dafür werden wir euch jeglichen Spaß nehmen (das Reisen und so weiter) den die derzeitige Generation noch hat erleben dürfen. Weiters muss die Produktion aller Güter noch schnell beschleunigt werden, damit wir in einem vermuteten Endakt noch alles Restliche an uns reißen können. So muss halt Jung leiden für die FAULEN Alten. Und hinter uns, die Sintflut! Also weiter so: bloß das angenehmere Bäume pflanzen lassen. Tja, ein Problemchen gibt’s damit ja: Wir könnten die dadurch entstehende, uns unbekannte Klimaveränderung, die wahrscheinlich aber natürlich wäre, ganz so, wie’s damals war, nicht einschätzen und wo sie schlagend wird.

Grüße
KEA, ein ganz komischer Vogel

2
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Tja: dumm wird nicht
Tja: dumm wird nicht
Reply to  Kürzen, kürzen,
8. August 2019 18:13

klüger: https://youtu.be/4tUWXRqu31c?t=230

2
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Kolumnen

Tarik Mete
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Kowall
  • Beim Strom passiert die Energiewende schon: Die EU und China sind beim Erneuerbaren-Ausbau Vorreiter
Klassenkampf von oben
  • Politik für Reiche im Klassenzimmer: Die Agenda Austria hat den Wirtschafts-Unterricht unserer Kinder im Visier

Cartoons

  • Macht Herby Potter Österreich zur Kammer des Schreckens?

Zitate

New York hat gewählt. Bei den Vorwahlen der Demokraten setzten sich progressive Kandidat:innen wie Claire Valdez, Brad Lander und Darializa Avila Chevalier gegen Establishment-Kandidat:innen durch. Die Sieger:innen sind Verbündete von Bürgermeister Zohran Mamdani und setzen wie er auf Themen wie leistbares Leben, Korruptionsbekämpfung und Frieden statt Kriegstreiberei. Die Wahlen gelten als Zeichen dafür, dass der Kurs des demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani in New York und in den USA weiter an Einfluss gewinnt. Zitat: Demokratischer Sozialismus kann überall erfolgreich sein. Denn seien wir ehrlich: Es gibt in diesem Land nur eine wirkliche Mehrheit - und das ist die arbeitende Bevölkerung. Es ist höchste Zeit für eine Politik, die genau diese Mehrheit ins Zentrum stellt und sie nicht als Fußnote behandelt. Zohran Mamadani
New York hat gewählt. Bei den Vorwahlen der Demokraten setzten sich progressive Kandidat:innen wie Claire Valdez, Brad Lander und Darializa Avila Chevalier gegen Establishment-Kandidat:innen durch. Die Sieger:innen sind Verbündete von Bürgermeister Zohran Mamdani und setzen wie er auf Themen wie leistbares Leben, Korruptionsbekämpfung und Frieden statt Kriegstreiberei. Die Wahlen gelten als Zeichen dafür, dass der Kurs des demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani in New York und in den USA weiter an Einfluss gewinnt. Zitat: Demokratischer Sozialismus kann überall erfolgreich sein. Denn seien wir ehrlich: Es gibt in diesem Land nur eine wirkliche Mehrheit - und das ist die arbeitende Bevölkerung. Es ist höchste Zeit für eine Politik, die genau diese Mehrheit ins Zentrum stellt und sie nicht als Fußnote behandelt. Zohran Mamadani

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