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Hausdurchsuchung wegen Novomatic-Spende: Diese Blümel-Vereine sollte man sich ansehen

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Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Parteispenden, Schwarz-Blau
Lesezeit:4 Minuten
11. Februar 2021
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Am Tag der Hausdurchsuchung bei Finanzminister Gernot Blümel tritt dieser am Abend vor die Presse: In einem sehr kurzen, bemerkenswerten Auftritt nimmt er zu den Parteispenden Stellung, die im Wahljahr 2017 von der Novomatic an die ÖVP geflossen sein sollen. Auf mehrmalige Nachfrage kann er nicht ausschließen, dass Novomatic Geld an Vereine gezahlt hat, in denen er Funktionen hatte. Auf der offiziellen Spenderliste der ÖVP scheint die Novomatic jedenfalls nicht auf. Doch die ÖVP verfügt gleich über mehrere Vereine, die für verdeckte Parteispenden geeignet wären. In dreien davon sitzt Gernot Blümel.

Am 10. Juli 2017 schickt der damalige Novomatic-Vorstand Neumann eine SMS an Blümel, damals nicht amtsführender Stadtrat in Wien. „Guten Morgen, hätte eine Bitte: bräuchte einen kurzen Termin bei Kurz (erstens wegen Spende und zweitens bezüglich eines Problemes (sic), das wir in Italien haben!“ Drei Stunden später leitet Blümel die Bitte an Thomas Schmid, damals Kabinettschef im Finanzministerium, weiter: Schmid soll ihn zurückrufen, „Tu es für mich“, schrieb Blümel mit einem Küsschen-Emoji.

In diesen drei Stunden soll Blümel laut dem Nachrichtenmagazin Profil „Sebastian Kurz über das Angebot informiert“ und mit ihm angeblich „das weitere Vorgehen akkordiert“ haben. Blümel wird im Casinos/Novomatic-Verfahren von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft als Beschuldigter geführt, am Donnerstag wurde eine Hausdurchsuchung freigegeben. Viel mehr ist über den Ermittlungsstand nicht bekannt.

Am Donnerstag Abend tritt Blümel kurz vor die Presse und weist alle Vorwürfe von sich. Von der Novomatic habe es jedenfalls keine Zahlungen an die ÖVP Wien und die ÖVP Bundespartei gegeben. Als die Ö1-Journalistin Petra Pichler zwei Mal nach Zahlungen an Vereine fragt, in denen Blümel eine Funktion hat, antwortet er nicht und wiederholt nur: Zahlungen an die ÖVP Wien und die ÖVP Bundespartei habe es nicht gegeben. Zahlungen an Vereine kann er offenbar nicht ausschließen und bricht dann die Pressekonferenz ab.

Wer hat 13 Millionen teuren Wahlkampf finanziert?

Der ÖVP Wahlkampf für Sebastian Kurz 2017 kostete 13 Millionen Euro. Gesetzlich erlaubt waren 7 Millionen – die ÖVP hat die Obergrenze damit um sechs Millionen Euro überschritten. Die Schulden der Partei wurden auf über 5 Millionen geschätzt. Spenden hat Kurz offiziell 2,1 Millionen erhalten. Angesichts dieser Zahlen stellen sich schon länger folgende Fragen:

  • Woher kam das restliche Geld?
  • Hat die ÖVP wirklich alle Wahlkampfspenden offengelegt?
  • Hat die ÖVP illegal Parteispenden über verschiedene Vereine an der Kontrolle des Rechnungshofes vorbeigeschleust?

Wir haben im ÖVP Umfeld zumindest 5 Vereine gefunden, bei denen Zweck und Finanzierung unklar sind.

Verein zur Förderung bürgerlicher Politik. Warum hat die ÖVP diesen Verein?

Der wohl prominenteste Fall ist der „Verein zur Förderung bürgerlicher Politik“. Er fiel mit einer Massenmail an den Wiener Stadtrat Peter Hacker auf. Es wurden insgesamt 1.500 E-Mails zur Mindestsicherung an den Stadtrat gesendet – die Stadt Wien zeigte daraufhin den Verein an. Außerdem ist der Verein Medieninhaber und Herausgeber der Webseite von Gernot Blümel. Die ÖVP Wien gab zwar an,

Screenshot der Homepage von Gernot Blümel. Der Verein zur Förderung bürgerlicher Politik könnte Spenden für den Kurz Wahlkampf erhalten haben
Impressum der Homepage Gernot Blümels

dass der Verein zu 100 Prozent von der ÖVP Wien finanziert werde und auch keine Spenden von dritten angenommen werden – doch dann stellt sich die Frage: Warum gibt es diesen Verein überhaupt? Die ÖVP Wien könnte wie jede andere Landespartei in Österreich die Homepage ihres Obmanns auch einfach selbst herausgeben.

Außerdem lässt ein Blick ins Vereinsregister an der ÖVP Wien Erzählung zweifeln. Obmann ist nämlich Eugen Hammer. Dieser ist als Lobbyist für die Erste Bank tätig und auch ins Lobbying-Register eingetragen. Passend dazu: In den vom Falter veröffentlichten Strategie Papieren des ÖVP Wahlkampfs findet sich eine Liste mit ÖVP „Sponsoren“. Gleich der erste Eintrag ist Andreas Treichl – Vorstandsvorsitzender der Erste Bank. Treichl war außerdem Finanzreferent der ÖVP und im Bundesparteivorstand vertreten.

Modern Society – seit 2017 kein Tätigkeitsbericht

Ein weiterer Verein mit engen Kontakten zu Gernot Blümel ist „Modern Society – Verein zur Förderung der politischen Bildung und Forschung im urbanen Raum“. Blümel selbst war bis Ende Juli 2017 Präsident der Organisation. Auf ihn folgte der ehemalige JVP Wien Obmann Markus Kroiher, der jetzt im Finanzministerium arbeitet. Der Verein organisierte vor allem Veranstaltungen mit den schwarzen Jugendorganisationen Aktionsgemeinschaft und Schülerunion.

Heimatverein ProPatria – Für Niederösterreich. Für Pröll gegründet für Kurz Wahlkampf genützt?

Ein weiterer Verein aus dem Umfeld von Gernot Blümel ist ein Verein, der rund um die niederösterreichischen Landtagswahlen 2003 entstanden ist. Der „Heimatverein ProPatria“ war eine Wahlwerbeorganisation des Cartellverbandes zur Unterstützung von Erwin Pröll. Der Verein besteht aber seither weiter, obwohl keine Aktivitäten auffindbar sind. Doch der Verein scheint weiterhin tätig zu sein.

Schließlich hat Gernot Blümel erst 2016, also ein Jahr vor der Wahl, die Funktion als Kassier übernommen. Der Wiener ÖVP Parteichef hat also Kontrolle über die Finanzen eines Vereins, dessen letzte offizielle Aktivität ins Jahr 2003 zurückreicht. Obendrein ist Blümel Wiener ÖVP-Chef und der Verein eigentlich in Niederösterreich aktiv. Und der ÖVP-Wien Chef übernahm die Verantwortung für die Finanzen ausgerechnet ein Jahr vor der Nationalratswahl. Warum das so ist und was dieser Verein macht, bleibt offen.

Nachdem der Verein nach der Ibiza-Affäre ins Visier der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) geraten ist, wurde er laut Vereinsregister am 18. Juni aufgelöst. Neben Blümel waren dort mehrere Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) tätig.

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8 Comments
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Johann Hahn
Johann Hahn
12. Februar 2021 18:48

So eine hinterfotzige Buberlpartie hatten wir schon einmal ! Wir hatten aber noch nie einen amtierenden Finanzminister, bei dem eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde. Man kann über die „Roten“ sagen was man will, aber stehlen tun sie nicht!
Mir wird Frau Rendi-Wagner immer sympatischer.

8
-2
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Grabstein
Grabstein
12. Februar 2021 17:02

Offenbar ist er aber zu feig um selbst die Verantwortung zu übernehmen, darum schickt er die anderen „Parteifreunde“ vor. Kein Mitgefühl, keine Lebenserfahrung nur soziale Kälte – haben wir das verdient?

6
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Antworten
Grabstein
Grabstein
12. Februar 2021 17:01

Man sieht es. Herr Kurz hatte ein „neues regieren“ versprochen. Siehe unklare Geldflüsse, seltsame Spenden, Klientelpolitik, Freunderlwirtschaft ………. , Er wollte ja nicht angepatzt werden und patzt aber ständig Andere an .

5
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Antworten
Gabydunst79@gmail.com
Gabydunst79@gmail.com
1. Juni 2019 09:55

Es sind tatsächlich Unsummen verschwunden. Aber mein Zweifel hat nicht sehr viel mit dem erwähnten Skandal zu tun, sondern ausschließlich mit der Arbeitsmarktreform und, daß richtig unwillige Sozialfälle unangetastet blieben, aber durch das Gesetz Sozialfälle aus Arbeitssuchenden gemacht werden und auf Zusatzversicherungen und Eigentum zugegriffen werden kann, von denen, die sonst damit die Möglichkeit hätten, selbst vorzusorgen. Niemand wird sich mehr zusatzversichern. Den Banken selbst wird es auch noch mehr schaden, wenn Kurz Alles enteignen will. So sorgt er maximal, daß niemand fehlende Versicherungsjahre selbst ausgleichen kann und Bürger verarmen. Daß oft Gelder durch Lobbying und „Spenden“ verschwinden, ist nichts Neues.
Die Arbeitgeber zu stärken, war nützlich. Die Steuerlichen Lasten zu senken auch, auch auf die Angst, ein Merkel- Chaos zu bekommen hat er reagiert. Das ist viel gewichtiger, als der Skandal.

1
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Johann Binder
Johann Binder
Reply to  Gabydunst79@gmail.com
5. Juni 2019 12:58

Liebe Frau Gaby, hab ich das richtig verstanden? Es ist also egal ob illegale Spenden an der Finaz vorbeigeschleust werden und die Steuern für Firmen und Reiche gesenkt werden, Hauptsache Migration wird verhindert und die Sozialleistungen werden gekürzt. ?????

In welcher Welt leben wir??? Neid Gier und Hass oder was

17
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Herbert Ossberger
Herbert Ossberger
30. Mai 2019 07:02

Beichten und alles ist wieder gut.

8
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Heribert Spennlingwimmer
Heribert Spennlingwimmer
29. Mai 2019 23:20

Sollte veröffentlicht werden!
Die Scheinheiligkeit kennt keine Grenzen.
Aufdeckungen vor den Wahlen deutlich dokumentieren.

2
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Heribert Spennlingwimmer
Heribert Spennlingwimmer
29. Mai 2019 23:16

Sollte veröffentlicht werden!
Die Scheinheiligkeit kennt keine Grenzen.

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Cartellverband

Der Cartellverband ist ein Verband katholischer, elitärer und rein-männlicher Studentenverbindungen mit weitreichenden Beziehungen in die Wirtschaft und einem sehr nahen Verhältnis zur ÖVP. Mit Kanzler Karl Nehammer sitzt aktuell ein CV-Mitglied an der Spitze der Regierung. Stellt sich die Frage: Ist der CV eigentlich mehr als ein Jobvermittlungs-Agentur für Konservative?

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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