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Der „Streisand Effekt“ einfach erklärt: Wer vertuscht, bekommt Öffentlichkeit

Der „Streisand Effekt“ einfach erklärt: Wer vertuscht, bekommt Öffentlichkeit

Foto: Copyright (C) 2002 Kenneth & Gabrielle Adelman, California Coastal Records Project, www.californiacoastline.org

Gerald DemmelMarco Pühringer Gerald DemmelundMarco Pühringer
in Gesellschaft, Medien, Schwarz-Blau
Lesezeit:4 Minuten
21. November 2018
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Menschen, Organisationen oder Firmen versuchen manchmal Informationen von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Es wird etwa Druck auf Medien ausgeübt, über einen Sachverhalt nicht zu berichten. Das bewirkt aber oft erst recht das Gegenteil: Die versuchte Vertuschung gelangt in die Medien, wird öffentlich diskutiert und verbreitet sich nach dem Schneeballprinzip. Im schlimmsten Fall erreicht man durch sein Agieren besonders viel Aufmerksamkeit und damit das Gegenteil von dem, was man beabsichtigt hat. Das Phänomen wird „Streisand Effekt“ genannt.

Was hat Barbra mit dem Streisand-Effekt zu tun?

Der Fotograf Kenneth Adelman macht Luftaufnahmen von der Küste Kaliforniens und stellt diese auf die Fotoplattform Pictopia. Darunter ist auch ein Foto vom Anwesen der US-amerikanischen Sängerin, Schauspielerin und Regisseurin Barbra Streisand. Das Bild ist auf der Webseite neben 12.000 anderen Bildern ersichtlich – nirgends scheint der Name von Barbra Streisand auf. Streisand sieht sich aber in ihrer Privatsphäre verletzt und klagt die Fotoplattform und den Fotografen auf 50 Millionen US Dollar. Die Öffentlichkeit sollte nicht wissen, wo die Prominente wohnt.

Die Klage führte zu öffentlichem Interesse

Ihre Klage scheiterte. Adelman argumentierte, dass er nur Fotos machte, um die Küstenerosion zu dokumentieren. Streisand bekam also keine 50 Millionen Dollar – jedoch wurde sie Namensstifterin eines Medienphänomens. Durch ihre Klage stellte sie erst die Verbindung zwischen sich und dem Foto der Villa her. Die Medien berichteten über den Fall und das Foto verbreitete sich im Internet nach dem Schneeballprinzip. Streisands Privatsphäre wurde also erst durch ihre Klage real eingeschränkt – außerdem machte sie sich öffentlich unbeliebt, da sie einen einfachen Fotografen auf eine Millionensumme klagte.

Rene Benko holt den Streisand Effekt nach Österreich

In die Streisand-Falle tappte 2018 der österreichische Milliardär Rene Benko. Der umtriebige Unternehmer ist häufig in den Schlagzeilen der Zeitungen, da er durchaus erfolgreich spektakuläre und finanzschwere Geschäfte tätigt, die das Interesse der Allgemeinheit wecken. Nun ist es üblich, dass umfangreichere Medienberichte über Personen des öffentlichen Lebens auch eine Kurzbiografie oder einige Eckpunkte aus den biografischen Daten enthalten. Ein solches Detail ist in Benkos Fall eine gerichtliche Verurteilung aus dem Jahr 2014 wegen Korruption.

Benko klagt den Spiegel

Diesen Makel in seiner Biografie will Benko entfernt wissen und droht Journalisten und Medien mit seinen Anwälten. Nun hat das deutsche Magazin Spiegel über Benkos geplanten Einstieg in den österreichischen Zeitungsmarkt berichtet und im Text die besagte Verurteilung erwähnt. Benkos Anwälte verlangten daraufhin von dem Nachrichtenmagazin, die Passage zu löschen.

Doch der Spiegel reagierte anders, als Benkos Anwälte dachten und der Streisand Effekt kam ins Rollen. Anstatt sich der Zensur zu unterwerfen, brachte man einen ausführlichen Bericht mit dem Titel „Österreichischer Milliardär: Benko will Medien verbieten, über seine Verurteilung zu schreiben“ und begründete dies wie folgt:

 

Rene Benko wird zu einem Beispiel Streisand Effektes in Österreich. Neben ihn gibt es international viele andere Beispiele.

„Er hat Geld und kann uns in Grund und Boden klagen!“

In dem Text ist nun nocheinmal in mehreren Absätze über Benkos vergangene Straffälligkeit nachzulesen. Als Draufgabe zitiert der Spiegel Journalisten aus Österreich, die sich von Benkos Anwälten unter Druck gesetzt fühlen.

Zumindest in Österreich sei er damit erfolgreich, sagt ein anderer Redakteur. „Er hat Geld und kann uns in Grund und Boden klagen. Die meisten Redaktionen scheuen daher die Auseinandersetzung.“

Daraufhin wurde in den sozialen Medien über den Spiegel-Artikel und das Verhalten Benkos und seiner Anwälte diskutiert. Und die Kontroverse wurde zu einem Beispiel für den Streisand Effekt. Was wohl nicht im Sinne des Milliardärs war.

Strache will seine Verbindungen zu gewaltbereiten Rechtsextremen vertuschen

Im Web kursierte wieder einmal ein Foto, das Vizekanzler Strache beim gemeinsamen Biertrinken mit gewaltbereiten rechtsextremen Identitären zeigt. Veröffentlicht wurde es von Rudi Fußi. Strache wehrte sich dagegen und behauptete: Das Foto sei eine Fälschung.

Er schleppte Fußi vor Gericht. Blöd nur, dass dessen Anwältin während der Verhandlung gleich eine ganze Foto-Reihe von besagtem Abend vorzeigte. Strache musste schließlich zugeben: Das Foto ist echt. Dann traf ihn der Streisand Effekt und zahlreiche Medien berichteten erst recht über die Affäre.
Hier der ganze Fall im Überblick.

Erdogan Affäre

Ein weiteres Beispiel für den Streisand Effekt aus dem deutschsprachigen Raum ist die Affäre, die sich um ein spöttisches Musikvideo über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan entwickelt hat. Im Satiremagazin „extra 3“ wurde zu der Melodie des Liedes „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ ein Musikvideo mit dem Titel „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ ausgestrahlt. Der türkische Präsident zitierte daraufhin den deutschen Botschafter ins Außenministerium, mit dem Ziel solche Aktionen künftig zu unterbinden. Das sorgte international für Aufsehen, was zur Folge hatte, dass das Musikvideo auf YouTube millionenfach aufgerufen wurde.

Böhmermann und sein Schmähgedicht

Die Affäre weitete sich aber weiter aus. Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann sagte als Reaktion auf Erdogans Verhalten ein beleidigendes „Schmähgedicht“ über den türkischen Präsidenten in seiner Late-Night-Show „Neo Magazine Royale“ auf. Erdogan klagte Böhmermann daraufhin  Erdoğan und ca 75 % des Gedichtes wurden verboten. Im Anhang des Urteils fand sich jedoch der Volltext des Schmähgedichtes, um die verbotenen Passagen zu kennzeichnen. Dieser Anhang wurde wiederrum stark verbreitet und damit der Erdogan kritische Inhalt einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Tom Cruise, Scientology und der Streisand Effekt

Ein Beispiel das international für Schlagzeilen sorgte, sind die Proteste, die sich wegen eines Videos von Scientology entwickelten. Ein Video von Tom Cruise über die Sekte landete auf YouTube, er wirkte darauf durch sein Lachen und Verhalten wie verrückt. Die Scientologen versuchten daraufhin die Löschung des Videos zu erreichen. Als Reaktion darauf formierte sich das „Projekt Chanology“ vom Hacker-Kollektiv Anonymus, die Angriffe auf die Webseite von Scientology durchführten. Scientology schützte sich daraufhin besser gegen Cyberattacken. Das Kollektiv änderte dann seine Strategie und organisierte ab Februar 2008 monatliche reale Demonstrationen.

Weiterlesen:

Das Geschäft mit der Wahrheit: Wie Medien gesteuert werden. Noam Chomsky & Edward S. Herman

Parlament Das Thema "Meinungsfreiheit" im Parlament

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Leonard Nimoy war ein vielseitiger Künstler, der vor allem durch seine Rolle als Mr. Spock in der legendären Serie „Star Trek“ bekannt wurde. Als Vulkanier, der zwischen logischer Vernunft und menschlicher Emotion balancierte, prägte Nimoy eine Figur, die zu einem Markenzeichen der Sci-Fi-Kultur wurde. Doch sein Talent ging weit über das Schauspiel hinaus: Er war auch Regisseur, Musiker und Fotograf. Neben seiner Arbeit in der Unterhaltungsindustrie setzte er sich für soziale Themen ein und hinterließ einen bleibenden Eindruck sowohl auf als auch neben der Leinwand. Zitat: Das ist ja das Wunder. Je mehr wir teilen, desto mehr haben wir. Leonard Nimoy

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