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Teure Lebensmittel: Lieferanten und Kunden zahlen drauf – Energiekonzerne profitieren

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Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
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Lesezeit:3 Minuten
3. November 2023
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Die Lebensmittelpreise sind in den letzten Monaten sehr stark gestiegen und machen für Viele ein immer größeren Anteil ihrer gesamten Ausgaben aus. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat sich deshalb ein Jahr die gesamte Lebensmittelbranche angeschaut und festgestellt: Die Supermärkte teilen sich vier große Konzerne auf, die Druck auf die Lieferanten bei ihrer Preisgestaltung ausüben können. Die hohen Preise sind hingegen vor allem auf höhere Kosten im Energiebereich zurückzuführen, die an die Konsument:innen einfach weitergegeben wurden. Demnach profitieren Energiekonzerne wie Verbund und Co indirekt auch an den hohen Lebensmittelpreisen.

Bei jedem Einkauf merkt man es überdeutlich: Die Preise für Lebensmittel sind in den letzten Monaten sehr stark gestiegen und belasten vor allem Menschen mit geringem Einkommen. Laut Arbeiterkammer kostet ein täglicher Einkauf rund 10 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Einzelne Produkte wie Zucker oder Marmelade kosten heute mehr als das Doppelte als im September vorigen Jahres. Die Lebensmittelpreise sind auch im Vergleich zur generellen Inflation stärker gestiegen – und um rund 13 Prozent höher als Deutschland.

Wie es zu diesen enormen Preissteigerungen kam und ob diese gerechtfertigt sind, hat sich die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ein Jahr lang umfassend angesehen. Sie haben die gesamte Lebensmittelbranche unter die Lupe genommen. Sie hat 700 Handelsunternehmen und 1.500 Lieferant:innen sowie 1.000 Konsument:innen befragt und umfangreiche Preisdaten analysiert – anhand von 34 Produktgruppen des täglichen Bedarfs.

Marktmacht der vier größten Supermarktketten: unfaire Praktiken

Die bislang umfangreichste Branchenuntersuchung der Behörde legt die Ergebnisse nun auf 280 Seiten dar. Es zeigt sich, dass am österreichischen Markt vier große Supermarktketten dominieren. 91 Prozent des gesamten Lebensmitteleinzelhandels teilen sich Spar, Rewe, Hofer und Lidl. Diese Konzentration hat in den vergangenen Jahren tendenziell zugenommen. Alleine zwischen 2019 und 2022 sind 200 Nahversorger verschwunden – vor allem Filialen von Nah&Frisch. Während die Top 4 ihr Filialnetz weiter ausgebaut haben. Aufgrund dieser starken Marktmacht ist es nicht nur für neue Konkurrenten schwierig, überhaupt auf den Markt zu kommen, sondern die Supermärkte können sich etwa gegenüber ihrer Lieferant:innen in Verhandlungen leichter durchsetzen. So zeigte sich hier ein besonders erschreckendes Bild: Ein Drittel aller befragten Lieferanten gab an, bereits mit einer „Auslistung“ bedroht worden zu sein, falls etwa zu gewünschten Konditionen nicht geliefert wird. Wenn die großen Supermärkte die Produkte aber nicht mehr abnehmen, stellt das für viele eine Existenzbedrohung dar. Das stellt nur eine der „unfairen Handelspraktiken“ dar, die die Bundeswettbewerbsbehörde aufgedeckt hat.

Hohe Lebensmittelpreise u.a. eine Folge hoher Energiepreise

Dennoch stiegen laut Bericht die Gewinne der Supermarktketten zwischen 2022 und 2023 „nicht systematisch an“. Die hohen Lebensmittelpreise scheinen vielmehr eine Folge gestiegener Kosten für die Handelsunternehmen zu sein: Alleine im Jahr 2022 stiegen für sie die Kosten für Energie um etwa 38 Prozent, für Logistik um etwa 11 Prozent, für Mieten um 7 Prozent und für Personal lediglich um 5 Prozent. Diese Preissteigerungen konnten sie schlicht an die Kund:innen weitergeben, bei denen dann ein sattes Plus am Kassazettel entstand. Oder umgekehrt ausgedrückt: Mit den teuren Einkäufen im Supermarkt finanziert die Bevölkerung die Milliardengewinne in der Energiebranche, wie etwa Verbund, mit.
Ein fehlender Gaspreisdeckel, eine fehlende wirksame Mietpreisbremse und die gescheiterte Inflationsbekämpfung der Regierung tragen nun auch zu den hohen Lebensmittelpreisen bei.

Internationale Lebensmittelkonzerne könnten bei höheren Preisen eine Rolle spielen

Auch die Herstellerseite hat sich die Behörde angesehen. Dort ist die Situation je nach Produkt sehr unterschiedlich. „Besonders international tätige Hersteller:innen konnten ihre Gewinnmargen in einzelnen Produktgruppen im Beobachtungszeitraum deutlich steigern“, ist im Bericht zu lesen. Dass Lebensmittelkonzerne in Österreich und Deutschland für die gleichen Produkte unterschiedliche Preise verlangen, kann ein Grund für den Preisunterschied zwischen Österreich und Deutschland sein. Die BWB empfiehlt nun der Europäischen Kommission, diesen Fall auf internationaler Ebene zu untersuchen. Aktuell laufen bereits Ermittlungen gegen Mondelēz International, einen der größten Schokolade-Herstellern, wegen der Beschränkung des grenzüberschreitenden Handels.

Darüber hinaus empfiehlt die BWB u.a. eine Stärkung des Verbraucherschutzes sowie eine höhere Preistransparenz für Konsument:innen. Denn immerhin gaben 85 Prozent der befragten Konsument:innen an, eine kostenlose Preisvergleichsplattform verwenden zu wollen, sofern sie nützliche Funktionen erfüllt.

Andere Länder haben die MWST auf Lebensmittel ausgesetzt, ÖVP-Grünen Regierung bleibt untätig

Die SPÖ fordert schon seit Monaten, dass die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zeitweise gestrichen werden soll, um die Bevölkerung beim Einkauf der Grundnahrungsmittel zu unterstützen. Vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen geben ja einen besonders großen Teil ihres Einkommens im Supermarkt aus. Den Antrag im Parlament haben ÖVP, Grüne und Neos immer wieder abgelehnt. Dabei zeigen Länder wie Portugal vor, dass das geht. Dort hat die Regierung die Mehrwertsteuer auf 44 Grundnahrungsmittel ausgesetzt.

Parlament Das Thema "Lebensmittelpreise" im Parlament

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1 Kommentar
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Robert
Robert
16. November 2023 08:23

Der Stromverbrauch pro m2 Supermarkt ist in den letzten Jahren gesunken (in De zB von 339 KWh auf 308 KWh – siehe statistika.de). Je nach Fläche durch die Strompreiserhöhungen daher jährliche Mehrkosten von ca. 7000€ – 14000€ (200-400 m2) was eigentlich nichts ist im Vergleich zu den anderen Kosten die anfallen.
Das mit der Energie ist daher eher ein Vorwand.
Anders schaut es bei einem kleinen Imbissstand aus, dessen Fläche fast nur aus Öfen und Kühlschränken besteht.

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