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Trotz halber Milliarde Dividende und Kurzarbeit: MAN kündigt 2.300 Mitarbeiter in Steyr

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Foto: Christoph Waghubinger (CC BY-SA 4.0) & BKA / Hans Hofer

Foto: Christoph Waghubinger (CC BY-SA 4.0) & BKA / Hans Hofer

Patricia Huber Patricia Huber
in Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:3 Minuten
11. September 2020
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Der deutsche Lastwagen-Hersteller MAN will ein Viertel seiner Mitarbeiter in Österreich und Deutschland abbauen. Das gesamte Werk in Steyr soll geschlossen werden. Dabei gibt es keine wirtschaftliche Not. Der Umsatz liegt bei 11 Milliarden Euro, die Rendite soll auf 8 Prozent erhöht werden. Zuerst nahm der Konzern Kurzarbeit in Anspruch, jetzt schickt er 2.300 Mitarbeiter in Steyr in die Arbeitslosigkeit – obwohl der Konzern vor 4 Jahren noch eine Standortgarantie bis 2030 vertraglich zusicherte. MAN ist nicht das erste Unternehmen, das das ausnützt.

4,6 Milliarden Euro hat sich der Staat die Kurzarbeit für Unternehmen in der Corona-Krise bis jetzt kosten lassen. Das sozialpartnerschaftliche Modell der Kurzarbeit gilt als vorbildhaft: Statt Mitarbeiter bei schwachem Geschäft zu kündigen, übernimmt der Staat die Kosten für Löhne und Gehälter.

Firmen bekommen Staatshilfen auch bei Kündigungen

Doch die Regierung hat darauf verzichtet, die Wirtschaftshilfen auch an faires Verhalten der Unternehmen zu knüpfen. Das nützen vor allem große Unternehmen aus: Andritz, Novomatic und KTM nehmen mit einer Hand Corona-Hilfen vom Staat und schütten mit der anderen Hand Dividenden an Aktionäre und Boni an die Manager aus. Selbst Tochterunternehmen in Steueroasen wie Malta oder Irland dürfen sie behalten, um weiter Steuern an Österreichs Finanzämtern vorbeizuschleusen.

Noch schlimmer wirkt sich jetzt aber aus, dass die Regierung auch auf eine Arbeitsplatzgarantie bei Staatshilfen verzichtet hat. Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) betonte am Donnerstag zwar die „hohe Bedeutung der Kurzarbeit für den Arbeitsmarkt und die Sicherung von Beschäftigung“ – doch nicht wenige Unternehmen haben sich zuerst Kurzarbeit für tausende Mitarbeiter zahlen lassen und dann Mitarbeiter gekündigt. Das geht nur, weil die Regierung sie lässt.

Vorstand Andreas Renschler will die Rendite für Aktionäre erhöhen, dafür verliert jeder vierte Mitarbeiter seine Arbeit. (Foto: TRATON Unternehmenskommunikation / CC BY-SA 4.0)

Halbe Milliarde an Aktionäre, ein Viertel der Mitarbeiter gekündigt

Ein besonders krasser Fall ist nach Swarovski in Wattens jetzt der Lastwagen-Hersteller MAN. Er will seinen ganzen Produktionsstandort in Steyr mit 2.300 Mitarbeitern schließen. Dabei geht es MAN wirtschaftlich nicht schlecht: Der Umsatz der Münchner Konzernmutter Traton liegt bei elf Milliarden Euro. Die Aktionäre beschließen am 23. September, sich eine halbe Milliarde Euro Dividende auszuschütten. Die Vorstände kassieren Bezüge von 11 Mio. Euro.

Die Eigentümer von MAN spüren also nichts von der Krise, dennoch nutzt der Konzern die Gunst der Stunde und baut ein Viertel seiner Mitarbeiter in Österreich und Deutschland ab – ließ sich zuvor aber durch Steuergeld unterstützen. Die Konzernführung will so in drei Jahren eine Umsatzrendite von acht Prozent erreichen.

MAN will sich an Vertrag mit dem Betriebsrat nicht halten

Die Beschäftigten bei MAN Steyr trifft die Nachricht völlig unerwartet. Schließlich wurde erst vor vier Jahren die Sicherung des Standortes per Vertrag bis 2030 zwischen dem Betriebsrat und dem Konzern vereinbart. Das MAN-Management lässt nun prüfen, ob und wie es die bestehenden und bis 2030 geltenden Standort- und Beschäftigungssicherungsverträge für Steyr vorzeitig kündigen kann.

Zig Firmen kündigen Mitarbeiter trotz Staatshilfen

MAN und Swarovski sind bei weitem nicht die einzigen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit schickten, um sie dann gleich zu kündigen. Hier einige Beispiele von Unternehmen, die trotz Kurzarbeitsgeldern jetzt Mitarbeiter kündigen.

  • Wasseraufbereiter BWT streicht 60 Stellen in Mondsee.
  • Magna Powertrain streicht über 100 Stellen.
  • Andritz baut 180 Jobs ab; davor haben sich die Aktionäre noch 50 Mio. Dividende ausbezahlt. Andritz-Chef Leitner alleine bekam 2020 12 Mio. Euro Dividende.
  • Swarovski streicht nach dem Ende der Kurzarbeit 1.600 Jobs in Wattens.
  • Der Medizinprodukte-Hersteller W&H Dentalwerk streicht in Bürmoos 70 Stellen.
  • Der E-Motorenhersteller ATB schließt den Standort in Spielberg und kündigt 360 Beschäftigte nach der Kurzarbeit.
  • Der Wäschehersteller Huber spricht 70 Kündigungen aus.
  • Auch der Unterwäsche-Hersteller Wolford kündigt 54 Leute.
  • Saubermacher kündigt 38 Mitarbeiter am Tag nach der Kurzarbeit.
  • Die Voestalpine baut zwischen 500 und 550 Jobs ab.
  • AUA baut trotz gigantischer Staatshilfen 1.100 Stellen ab, aber vorerst keine Kündigungen
  • Die Salzburger Aluminium AG kündigt an den österreichischen Standorten in Lend und Schwarzach 29 Mitarbeiter.
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4 Comments
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zeindi
zeindi
29. September 2020 10:16

Wir haben wirklich eine super-regierung , man könnte fast meinen , dass manche lobyisten mitkassieren . so viel dummheit hätte ich dem kurz doch nicht zugetraut . gelder werden meiner meinung nach veruntreut . kassieren und damit ins ausland abwandern , österr.arbeitsplätze sind denen egal .

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Christian
Christian
18. September 2020 15:15

MAN hat noch überhaupt keine Dividende für 2020 beschlossen, die Hauptversammlung ist bis auf weiteres wegen Corona vertagt.
Geplant ist eine Dividende von 0,11€/Aktie das entspricht bei den 147Mio. Aktien die es gibt ziemlich genau 15Mio.€.
MAN hat eine Marktkapitalisierung von über 15Milliarden €, ohne die Aktionäre, welche ihr Geld in die Hände der Firma investiert haben würde es diesen Standort garnicht geben bzw. sicher nicht in dieser Form. Ohne die Aktionäre hätten auch die Menschen welche bei MAN arbeiten bzw. gearbeitet haben keinen Job bekommen.
Das ist ein klassischer, linker Fakenews Artikel welcher in keinsterweise stimmt.

Liebe Grüße-

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Franz
Franz
Reply to  Christian
21. September 2020 15:26

Hallo Christian,
aber in der im Artikel verlinkten Einladung des Traton-Ausfichtsrats (S. 8) steht doch ganz klar und deutlich, dass letzterer vorschlägt, 500 Mio an Dividenden (1 € pro Aktie, nicht 0,11 €) auszuschütten. Dass die Aktionäre einen geringeren Betrag vorschlagen, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Verstehe ich da jetzt was falsch bzw. ist diese Ankündigung veraltet?
Die Einladung ist jedenfalls nach dem 3.3.2020 verschickt worden (Geht aus S. 6 Abs 1 hervor). Zu dem Zeitpunkt hat Traton für Deutschland bereits Kurzarbeit beantragt: (https://www.finanzen.at/nachrichten/aktien/traton-man-truck-&-bus-beantragt-am-montag-kurzarbeit-fuer-deutsche-werke-1029012761). Also egal ob das noch aktuell ist oder nicht: Dass die Allgemeinheit die Dividenden der Aktionäre finanziert und damit das Investitionsrisiko auf sich nimmt, geht halt m.E. gar nicht. Finden Sie das gerechtfertigt?
Ob Shareholder-Value das richtige Organisationsprinzip ist, nachdem man die Produktion gestalten sollte, darüber lässt sich sicher gut und lang streiten. (Übrigens: Dass es ohne die Investitionen der Aktionäre keine Abrietsplätze geben würde sagt sich halt leicht daher, aber eine empirische Grundlage hat die Aussage nicht, oder?) Aber bei der Frage gehts ja ohnehin nicht um einen faktischen Fehler, sondern um verschiedene Vorstellungen davon, wie eine WIrtschaft aussehen sollte, oder?
Also was rechtfertigt Ihrer Ansicht nach das Label „Fake-News“ in dem Fall? Oder geht es Ihnen nur darum, Positionen zu diffamieren, die nicht die Ihren sind?

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Erika Leschanz
Erika Leschanz
11. September 2020 18:54

Schade um so ein gutes Unternehmen in Österreich. MAN
Sollte sich glücklich schätzen, so tolle und verlässliche Mitarbeiter zu haben. Traurig das jetzt Mitarbeiter ihren Job verlieren. Was ist mit der Standort Garantie.?

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Marie Curie war eine der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts und die erste Frau, die einen Nobelpreis erhalten hat. Sie wurde vor allem durch ihre Forschungen zur Radioaktivität bekannt, ein Begriff, den sie selbst prägte. Gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Curie entdeckte sie die Elemente Polonium und Radium. Zitat: Ich habe gelernt, dass der Weg des Fortschritts weder kurz noch unbeschwerlich ist. Marie Curie

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Das sozialdemokratische Magazin Kontrast.at begleitet mit seinen Beiträgen die aktuelle Politik. Wir betrachten Gesellschaft, Staat und Wirtschaft von einem progressiven, emanzipatorischen Standpunkt aus. Kontrast wirft den Blick der sozialen Gerechtigkeit auf die Welt.

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