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Was passiert nach dem Misstrauensantrag?

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Was passiert nach dem Misstrauensantrag?

www.bundespraesident.at

Sara Mohammadi Sara Mohammadi
in Schwarz-Blau
Lesezeit:3 Minuten
28. Mai 2019
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Jede Jus- und Politikstudentin hört davon im Studium, durchgesetzt wurde er jedoch bisher nie: Der Misstrauensantrag. Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik Österreich hat das Parlament dem Bundeskanzler und der dazugehörigen Regierung das Misstrauen ausgausgesprochen. Sebastian Kurz wurde nach nur 17 Monaten das Vertrauen vom Nationalrat entzogen. Damit ist er der am kürzesten dienende Kanzler der zweiten Republik. Doch welche Folgen hat das für Österreich?

Droht Instabilität?

“Jeder Schritt, der jetzt getan wird, ist vorgesehen und in der Verfassung verankert”, stellt Van der Bellen letzte Woche nach dem Rücktritt der FPÖ-Mitglieder klar. Und auch die Schritte nach dem erfolgreichen Misstrauensantrag sind im Bundesverfassungsgesetz festgelegt:

„Alsdann, liebe Österreicherinnen und Österreicher: Das ist keine alltägliche Situation, aber im Grunde genommen ein ganz normaler demokratischer Vorgang“, sagt Van der Bellen – und beruft sich auf die Eleganz der österreichischen Verfassung.

Der Bundespräsident muss die Regierung nun ihres Amtes entheben und “rasch” einen neuen, vorübergehenden Bundeskanzler suchen. Was „rasch“ konkret bedeutet, ist freilich „interpretationsbedürftig“, so Ex-Verfassungshofpräsident Ludwig Adamovich. Van der Bellen hat gestern angekündigt, noch diese Woche einen Vorschlag machen zu wollen. Gegen diese neue Regierung könnte wieder ein Misstrauensantrag erfolgen, weil die Übergangsregierung über keine klare Mehrheit im Parlament verfügt. Der Bundespräsident muss daher einen guten Kompromisskandidaten finden, auf den sich eine Mehrheit im Parlament einigen kann.

Wer wird nach dem Misstrauensantrag BundeskanzlerIn?

Theoretisch kann Van der Bellen jeden Österreicher und jede Österreicherin über 18 Jahren zum Übergangskanzler ernennen. Einzige Ausnahme: Wer zu mehr als sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, muss vor mindestens einem halben Jahr entlassen worden sein. Und in der Praxis wird es natürlich jemand sein, der über politische und fachliche Erfahrung verfügt.

Wahrscheinlich wird der Bundespräsident eine honorige Persönlichkeit zum Kanzler ernennen, die parteiübergreifend anerkannt ist – etwa eine Höchstrichterin. Auf Ministerebene können laut Artikel 71 der Verfassung bisherige Minister oder Staatssekretäre der Regierung, sowie leitened Beamte oder Sektionschefs zu Ministern angelobt werden. 

Bisher 185 erfolglose Misstrauensanträge

Der Misstrauensantrag ist für den Nationalrat das schärfste Mittel der Kontrolle. Der Nationalrat kann ihn mit einfacher Mehrheit beschließen, die Hälfte der Mitglieder muss anwesend sein.

Sobald ein Fünftel der Mitglieder des Nationalrates (also die ÖVP-Fraktion) verlangt, die Abstimmung über den Antrag auf den übernächsten Werktag zu vertagen, muss das passieren. Bisher wurden seit Regierungsantritt acht Misstrauensanträge eingebracht. Der erste bereits im März 2018, also nur drei Monate nach der Angelobung von Türkis-Blau. Der letzte fand im April gegen Strache statt, die übrigen sieben gegen Innenminister Herbert Kickl. Obwohl es seit 1945 schon 185 Mal versucht wurde, kam es noch nie zu einem erfolgreichen Misstrauensvotum.

Denn bisher hatten alle Regierungen die Nationalratsmehrheit hinter sich. Auch wenn Koalitionen zerbrachen und Neuwahlen ausgerufen wurden, hielten sich die Abgeordneten der Regierungsfraktionen bis zur Neuwahl daran, nicht gegen noch im Amt befindliche Kanzler oder Minister zu stimmen. Und umstrittene Regierungsmitglieder, denen der Vertrauensentzug drohte, traten immer zurück, ehe es dazu kam.

Misstrauensvotum gegen Sebastian Kurz. Das sagt Bundespräsident Van der Bellen Zitate

Parlament Das Thema "Misstrauensantrag" im Parlament

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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Herbert Kickl

Herbert Kickl ist ein rechtsextremer Politiker und seit 2021 Parteichef der FPÖ. Von 2017 bis 2019 war er Innenminister unter Sebastian Kurz. Als einziger Minister der Nachkriegsgeschichte Österreichs wurde er aus seinem Amt in Folge des Ibiza-Skandals entlassen. Kickl ist wiederholt durch rassistische und antisemitische Aussagen in Kritik geraten und ist in mehrere Korruptions-Skandale verwickelt.

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Misstrauensvotum

Unter Misstrauensvotum versteht man, dass der Nationalrat bei Anwesenheit der Hälfte der Abgeordneten der Bundesregierung oder einzelnen ihrer Mitglieder mit Beschluss das Vertrauen versagen kann. Diesfalls wäre die Bundesregierung bzw. der entsprechende Bundesminister vom Bundespräsidenten des Amtes zu entheben. Ein Fünftel der Abgeordneten kann schriftlich verlangen, dass die Abstimmung über einen diesbezüglichen Antrag auf den nächsten Werktag vertagt wird.

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FPÖ

Die FPÖ gibt sich gerne als „soziale Heimatpartei“. Egal ob unter Jörg Haider, Heinz-Christian Strache oder jetzt Herbert Kickl. Sie tut so, als ob sie die Partei der “kleinen Leute” wäre. Doch egal, ob in Opposition oder Regierung: Die FPÖ vertritt gemeinsam mit der ÖVP Konzerne und Österreichs Reichste. Hier der Beweis!

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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